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24.06.2021

Mentoring – Weg zu besserem Selbstvertrauen und besseren Leistungen oder vergeudete Zeit?

Julius Baumann – 24.06.2021

Karl: Paul, sollen wir heute nach der Schule Fußball spielen?

Paul: Tut mir leid Karl, ich bin heute mit Gustav verabredet. Wir haben Mentor/Mentee Sitzung. 

Karl: Was ist das denn?

Paul: Ein Mentor unterstützt dich in schwierigen Situationen und steht dir mit Rat und Tat zur Seite. Ähnlich wie du bei mir nur auf professioneller Ebene.

Karl: Wozu benötigst du das? Du bist doch gut in der Schule. Sogar besser als ich.

Paul: Es geht nicht darum. Es geht um die weiteren Effekte. Beziehungsaufbau, Freundschaft, Selbstbewusstsein…

Karl: Könnte ich denn mal mitkommen und es mir anschauen? 

Paul: Das sollte funktionieren.

Dieser fiktive Dialog stellt das Problem der mangelnden Kenntnis und der mangelnden Aufmerksamkeit bezüglich Mentoring und Mentoringprogrammen dar. Was ist also Mentoring und wie wirkt es bei schulischen Problemen?

Wenn man in das Suchfeld bei Google den Begriff Mentoring eingibt, erscheinen in 0,67 Sekunden ungefähr 83.900.000 Ergebnisse (vgl Google, 2021). Daran kann man schon ablesen, dass Mentoring eine immer größere Rolle einnimmt. Daher müsste man zuerst klären, wie Mentoring wirkt, was Mentoring ist und welche Formen es gibt.

Der Begriff Mentoring geht auf die erste überlieferte Mentoren Beziehung in Homers Odyssee zurück. Als Odysseus seine Heimat Ithaka verließ, um sich den Feldzug gegen Troja anzuschließen, bat er seinen Freund Mentor, die Erziehung seines Sohnes Telemach zu übernehmen. Die Beschreibung Mentors als väterlicher Freund, Erzieher, kluger Ratgeber und aufmerksamer Beschützer fließt in verschiedene aktuelle Definitionen mit ein. So wird eine persönliche, dyadische und hierarchische Beziehung zwischen Mentor und Mentee betont, die auf der Förderung des Lernens, der Entwicklung und das Vorankommen der Mentee durch den Mentor ausgerichtet ist. Es wird beklagt, dass Definitionen von Mentoring zu uneinheitlich sind, was unter anderem daran liegt, dass mittlerweile verschiedene Formen von Mentoring vorherrschend sind (vgl. Stöger & Albert, 2012 S. 132). Neben 1:1 Mentoring wird heutzutage auch Team- und Netzwerk Mentoring betrieben. Bei diesen Formen des Mentoring hat ein Mentor mehrere Mentees und diese unterstützen sich gegenseitig. Beim kaskadischen Mentoring betreuen hierarchisch höherstehende Personen, Gruppen, die ihrerseits Gruppen mit weniger erfahrenen Personen ein Mentoring-Angebot unterbreiten (vgl ebd., 132). Wiederum in anderen Mentorenprogrammen wird ein Mentee durch mehrere Mentoren betreut. Um einen gemeinsamen Bezugspunkt zu schaffen, mit denen Mentoringbegriffe verglichen werden können, ohne gleichzeitig eine zu große Variationsbreite aufzuweisen, wurde 2009 vom Inhaber des Lehrstuhls für Pädagogische Psychologie und Exzellenzforschung an der Universität Erlangen, Prof. Dr. Albert Ziegler, folgende Definition aufgestellt: „Mentoring ist eine zeitlich relativ stabile, dyadische Beziehung zwischen einem erfahrenen Mentor und seinem weniger erfahrenen Mentee. Sie ist durch gegenseitiges Vertrauen und Wohlwollen geprägt, ihr Ziel ist die Förderung des Lernens und der Entwicklung sowie das Vorankommen des Mentee“ (vgI (Stöger & Albert, 2012, S. 133) In: Ziegler 2009. S.11). Um sich anzuschauen, wie Mentoring wirkt, ist ein Blick in verschiedene Studien von Nöten. 

Lange Zeit wurde die Wirksamkeit von Mentoring durch Studien belegt. Vorreiter auf diesem Gebiet war Ernest Rutherford, der herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Chemie vollbracht hat und dafür mit dem Chemienobelpreis ausgezeichnet wurde. John Thomson, der als sein Mentor agierte, erhielt vor Rutherford ebenfalls einen Nobelpreis, Rutherfords eigene Leistungen als Mentor schienen ebenfalls nicht unfruchtbar gewesen zu sein, da elf seiner Schüler und Teammitglieder mit einem Nobelpreis ausgezeichnet wurden (vgl ebd., 133):

Systematische Fallstudien bei denen retrospektiv die Lernbedingungen und das Lernumfeld leistungsexzellenter Personen analysiert wurden, weisen darauf hin, dass Mentoring eine große Bedeutung hatte. Wie oben erwähnt, wurden die herausragendsten Personen auf dem Gebiet der Wissenschaft ebenfalls durch Mentoring gecoacht. Der US-amerikanische Psychiater George Eman Vaillant fand 1977 in einer groß angelegten Untersuchung herausragender US- Persönlichkeiten heraus, dass diese im jungen Erwachsenenalter selbst einen Mentor hatten. Zwei Jahre später wurde in einer Studie von Roche, bei der ca. 4.000 im Wall Street vorgestellte Führungskräfte befragt wurden, die in ihrem Leben einmal Mentees waren, darüber berichtet, dass diese durch das erhaltene Mentoring besser in der Arbeitswelt zurechtkamen. So berichteten zwei Drittel der ehemaligen Mentees, dass sie selbst von einem Mentor gecoacht wurden. Des Weiteren wirkte sich das Mentoring positiv auf ihre Zukunft und ihre Leistungen aus: Die Mentees erzielten höhere Bildungsabschlüsse, verhandelten bereits früher höhere Gehälter, verfolgten systematischer konkrete Karrierepläne auf höheren Hierarchieebenen und äußerten größere Berufszufriedenheit (vgl ebd., 133).

Eine weitere Studie, die 1985 von Benjamin Samuel Bloom in Form einer Interviewstudie durchgeführt wurde, weist in anderen Domänen ebenfalls auf die hohe Bedeutung persönlicher Mentoren für die Leistungsentwicklung hin. Bloom befragte insgesamt 120 Personen, die allesamt in verschiedenen Bereichen wie Schwimmen, Tennis, Bildhauerei, Klavierspiel, Molekulargenetik und Mathematik exzellente Leistungen erzielt haben. Allesamt wuchsen in individuell zugeschnittenen Lerngruppen auf, die von einem persönlichen Mentor gestaltet worden waren. Doch auch in Lernsettings, bei denen nicht die Entwicklung von Leistungsexzellenz im Vordergrund steht, erweist sich Mentoring als erfolgreich. Auf diese Weise unterrichtete Schüler waren um zwei Standardabweichungen besser als Schüler, die nicht nach dieser Methode unterrichtet worden sind (vgl ebd., 133). 

Die aufgeführten Studien liefern einen Beweis dafür, dass Mentoring eine hohe Wirksamkeit besitzt und Potenzial entfalten kann. Umso wichtiger ist es, dass Gruppen wie ROCK YOUR LIFE Mentoringprogramme anbieten und umsetzen. Somit kann das Mitmachen bei ROCK YOUR LIFE eine gute Investition für die Zukunft sein.

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Google. (20. Juni 2021). Von www.google.de

Wissenschaftliche Artikel

Stöger, H., & Albert, Z. (Juni 2012). Wie effektiv ist Mentoring? Ergebnisse von Einzelfall- und Meta-Analysen. Diskurs Kindheits-und Jugendforschung, S. 131-146.

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