Julius Baumann – 02.07.2021

Das Thema Chancengleichheit war schon immer ein wichtiges Thema, doch bisher war es auf der Agenda stets unterrepräsentiert, schließlich gab es auch keinen Grund dieses Thema auf die Agenda zu setzen. Bisher war es üblich, in die Schule zu gehen, doch durch Corona waren die Schulen gezwungen, auf Online-Unterricht umzustellen. Da aber die digitale Infrastruktur in Deutschland stark zu wünschen übrig lässt, war es schwer einen „guten“ Online- Unterricht zu gewährleisten. Während des ersten Lockdowns ist die Schere der Bildungsgerechtigkeit weiter auseinandergedriftet. Im Frühjahr hat die Bildungsgewerkschaft GEW in Niedersachsen zwei Mitgliederbefragungen durchgeführt. Die eine Befragung wurde im Frühjahr während des ersten Lockdowns durchgeführt, die zweite während des eingeschränkten Regelschulbetriebs im Sommer. Die Ergebnisse sind eindeutig: insbesondere bei ohnehin schon benachteiligten Schülern: bei ohnehin schon benachteiligten Bevölkerungsgruppen verschärfte sich das Problem zusehends (vgl. Mader 2020).

Doch wie sieht das Ganze im internationalen Vergleich aus? Wie schneidet Deutschland in Sachen Chancengleichheit im internationalen Vergleich ab?

Die Studie „Ein unfairer Start ins Leben“ gewährt einen Einblick in Bildungschancen von Kindern in Industrieländer. Dafür wurden aus 41 Ländern der OECD und der EU, Daten zu Schlüsselindikatoren für die kindliche Entwicklung ausgewertet. Für das Kindergartenalter wurden Ungleichheiten beim Zugang der Mädchen und Jungen zu frühkindlicher Bildung untersucht. Für das Grundschulalter und das Sekundarschulalter wurden Ungleichheiten bei der Lesekompetenz im Alter von 10 bzw. 15 Jahren dokumentiert. Der Indikator für Ungleichheit ist dort der Leistungsabstand zwischen den zehn besten und den zehn schlechtesten Schülerinnen und Schüler. Die Lesekompetenz ist hierbei entscheidend, da diese eine entscheidende Rolle für den zukünftigen Lebensweg spielt. Es wurde außerdem analysiert, welche Rolle, bzw. in welchem Maße Faktoren in den jeweiligen Ländern die Ungleichheiten beeinflussen. Als zentrale Messfaktoren wurden hier: Berufsstand der Eltern, Migrationshintergrund, Geschlecht und unterschiedliche Schulformen genommen (vgl. An Unfair Start 2018).

Ergebnisse der Studie

Anhand der ausgewerteten Daten zeigt sich, dass ein Teil der Kinder in den Industrieländern deutlich hinterherhinken. Neun von zehn Kindern in den 41 Industrieländern besuchten ein Jahr vor Beginn der Grundschule eine Kindertageseinrichtung. Jedoch ist die Kehrseite der Medaille, dass immer noch insgesamt 1 Million Kinder in 16 Länder immer noch keine Bildungseinrichtung, in dem Fall Kindergarten, Vorschule oder Kindertageseinrichtung besuchen können. Dies entspricht einem Anteil von fünf Prozent. Ein weiteres zentrales Ergebnis ist: Zehnjährige weisen bereits große Leistungsunterschiede in der Lesekompetenz auf. Zehn Prozent der Schülerinnen und Schüler in den meisten Industrieländern erreichen nicht das durchschnittliche Kompetenzniveau ihrer Altersgruppe. Bei den 15-jährigen gibt es große Unterschiede in der Lesekompetenz. Irland, Lettland und Spanien weisen die geringsten Ungleichheiten auf, während in Bulgarien, Israel und Malta die Kluft am größten ist. Ein weiteres zentrales Ergebnis ist, dass Mädchen in der Lesekompetenz besser abschneiden. Allerdings ändert sich dies, wenn die Kompetenztests am PC durchgeführt werden (vgl. An Unfair Start 2018).

Literaturverzeichnis

An Unfair Start – Inequality in Children ́s Education in Rich Countries, UNICEF Innocenti Report Card 15, Florence, October 2018, verfügbar unter: https://www.unicef.de/blob/177556/a6282e479e4a7188ecc27607fad15dd8/zusammenfassung-reportcard15-data [zuletzt geprüft: 25.06.2021]

Mader, Undine (2020): Lockdown verstärkt Nachteile einiger Schüler, in: weser-kurier.de v. 11.11.2020, verfügbar unter: https://www.weser-kurier.de/region/experten-corona-schadet-der-chancengleichheit-in-der-bildung-doc7e4ee34zw1x1f0fxq3su [zuletzt geprüft: 25.06.2021]